Yahoo! Oder: Das sinkende Schiff in der Sommerdürre

Es herrscht sommerliche Ruhe an der Web-Front. Abgesehen von den immer gleichen gebloggten Litaneien der Art »warum Web-Dienst XY so toll ist und nun alles umkrempeln wird«, die keinerlei Neuigkeitswert haben, sondern nur in der Durchsichtigkeit ihrer Argumentation und Belanglosigkeit ihrer Fakten beliebig austauschbar sind, passiert nichts aufregendes.

Plötzlich aber wird die Aufmerksamkeit auf eine Massenflucht des Personals bei Yahoo! gelenkt. Zur mittlerweile ziemlich beeindruckenden Liste geflüchteter Yahoo!-Köpfe gesellten sich kürzlich die flickr-Gründer und heute dann noch der delicious-Erfinder Joshua Schachter. Das könnte einem ziemlich egal sein, wären mit flickr und del.icio.us nicht zwei der originären (und meine persönlichen) Web-2.0-Lieblingsdienste betroffen. Deren Zukunft sieht nun nicht gerade rosig aus, wenn Beamtennaturen aus Großkonzernen versuchen, innovativ zu sein, nimmt das kein gutes Ende.

Und bei der Gelegenheit möchte ich dann gleich noch eine Runde »Keilen«. Es läuft immer gleich. Ein neuer kluger toller Web-Dienst entsteht, den man gerne nutzt. Dann kommt jemand daher, der über mehr Geld als Innovationskraft verfügt, und kauft den Dienst. Die üblichen verlogenen Pressemeldungen bringen eine Nachricht rüber: »Alles bleibt wie es ist, alles wird toller, und oh, diese neuen Möglichkeiten, ja, diese fantastischen neuen Möglichkeiten«.
Schön für die Gründer, deren Bankkonto füllt sich. Für uns Benutzer aber nicht. Äußert man seine Skepsis, gilt man gleich als »typisch deutscher Nörgler der immer gleich alle grandiosen ach so aufregenden Entwicklungen runtermachen muss«. Nun würde ich gerne mal die ausgedruckten Yahoo!-Katastrophenmeldungen so manchem »Innovationsfan« unter die Nase halten und mit seinen gebloggten »Tolle Möglichkeiten«-Artikeln von einst konfrontieren…

Was lernen wir? Nicht zu häuslich in einem Web-Dienst einrichten, und wenn das große Geld kommt, um Innovation in seiner Geldmaschine zu töten: Alternative suchen, die Chancen sind groß, dass das kein gutes Ende nimmt.

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Plurk statt Twitter? Nein!

Ende letzter Woche lief mal wieder ein virtuelles Borstenvieh durch das Dorf 2.0 – und die Horde der »üblichen Verdächtigen« aus dem deutschsprachigen Raum, die man in jedem Social-Network jenseits und diesseits des Äquators findet, fiel über einen armen putzigen kleinen Web-Dienst namens Plurk her.

Was ist das denn schon wieder? Zunächst einmal ein weiterer Status-Nachricht-Verkündungsdienst mit zeitverschwenderischer Tendenz à la Twitter, technisch brilliant (man schaue einmal, wie »smooth« sich die grafische Zeitleiste mit dem Mausrad scrollen lässt) und mit putziger Grafik umgesetzt, und mit einem merkwürdigen Namen versehen. Zusätzlich zum vom »Status-Message-Godfather« Twitter gewohnten Funktionsumfang gibt es »Karmapunkte« zu verdienen, außerdem kann man »Cliquen« bilden. Diese Funktionen deuten schon auf die »Zielgruppe« hin: Mit Ausnahme der »deutschen Horde« findet man hinter den vielen Profilbildchen in erster Linie junge Damen zwischen 14 und 24. Plurk ist also eine eher juvenile Community, und dabei sollte man es auch belassen.

Ist das also ein »nächstes großes Ding«, wo man nun »rein muss«? Eindeutig Nein. Hinter diesbezüglichen Spekulationen darüber steckt eher die übliche kurzatmige Sensationsschreibe der boulevardesken kommerziellen Web-2.0-Blogs als irgendeine Substanz.

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Kollaboratives Krakeln mit Twiddla

Twiddla ist ein sehr gelungenes Online-Werkzeug für das kollaborative grafische Arbeiten. Manchmal muss der webworkende digitale Nomade mit anderen Notebook-Herumtreibern an Entwürfen, Grafiken usw. herumkritzeln.
Mit Twiddla kann man das schnell und einfach im Browser realisieren. Bilder und Websites können in die Arbeitsfläche geladen werden, und mit Symbolen, Stiften und Text kann man auf diesen dann nach Herzenslust herumkrakeln. Den Kontakt kann man in einem kleinen Chat-Fenster halten, und über ein Applet ist es sogar möglich, eine Audio-Konferenz zum gegenseitigen Anschreien während der kollaborativen Arbeit zu veranstalten.

Fazit: Überzeugt, nützlich und vielversprechend. Twiddla kann eine Menge Hin- und Her-Mailen von Bildchen in geografisch getrennten Arbeitsgruppen ersparen, eine Lösung, die sich wirklich mal »social« nennen darf.
Twiddla soll, glaubt man dieser ihrer Seite, kostenlos sein und »Kicks Ass«. ;) Eine Anmeldung ist zur Nutzung nicht notwendig, wenn man eine Sitzung starten will, kann diese nicht-öffentlich sein und man kann via Plaxo Kontakte dazu einladen.

Twiddla ist natürlich »beta«. Aber wer ist das nicht, in diesen Zeiten?

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Wochenendkino: Martin Röll - »Self-Organisation for Effectiveness«


Martin Roell : Self-Organisation for Effectiveness
by GoingSolo

Kürzlich fand die Konferenz »Going Solo« für »Freelancer« statt. Dabei hielt Martin Röll einen Vortrag zu dem stets brandheißen Thema der Selbstorganisation für Einzelkämpfer unter dem Titel »Self-Organisation for Effectiveness«:

Freelancers often alternate between two extreme modes of working: On some days we can’t get anything done and procrastinate like silly. On other days we overwork and get under stress. Both modes are ineffective and inefficient.
How can we work freely without falling into the traps of procrastination or overworking? How can we stay effective even when things go wrong?

Es gibt auch die Folien zum Vortrag (PDF).

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Die Twitter-Lektion: Protokoll statt Dienst. Und Schluss mit dem Geheule.

Das Geheule um die technische Unzuverlässigkeit Twitters nimmt langsam Dimensionen an, die befürchten lassen, dass demnächst eine Einheit Web-Blauhelme das Twitter-Hauptquartier einnehmen und Twitter unter Kontrolle bringen wird.

Sorgengeschwängerte Betrachtungen und verzweifelte Suche nach Ursachen fluten die Blogosphäre, und manch einer offenbart unfreiwillig sein peinliches technisches Nicht-Wissen: »It requires memcached, or some other open source cache…it would take hours to do. Hours!« Ist klar, in dem Thema angemessener Sprache kann man da nur sagen: LOL! Thanks, Webware, darauf wäre garantiert niemand ohne Eure Weisheit gekommen…

(Vgl. dazu auch diesen klugen Artikel.)

Wenn wir wieder ernst werden, kann man zwei Dinge festhalten:

1. Twitter ist im Grunde nicht sonderlich wichtig. Wie man auf neudeutsch sagt: »Nice to have«. Schön, wenn es funktioniert, aber kein Beinbruch, wenn es nicht funktioniert. Wer Twitter ernsthaft für den unverzichtbaren Bestandteil der Internet-Kommunikation des 21. Jahrhunderts hält, sollte nicht so viele lächerliche Listen wie diese hier konsumieren oder den »Social Media Consultant« wechseln…

2. Wenn Twitter entgegen meiner Einschätzung doch ein neuartiges unabdingbares hyper-wichtiges Bedürfnis nach unverbindlicher Netzkommunikation abdeckt, so gibt es nur einen Weg zu technischer Zuverlässigkeit: Twitter, oder besser, »die Art zu kommunizieren wie Twitter«, muss ein Protokoll werden, damit es dezentral organisiert und damit weniger anfällig wird. Niemals in der Geschichte des Internets hat sich etwas durchsetzen können, das ein zentraler Dienst eines Anbieters gewesen ist. Alle erfolgreichen Dinge im Netz sind hersteller- und anbieterunabhängig, egal ob Weblogs, Usenet, E-Mail oder gar das Web selbst.
Dazu gibt es sogar schon einen frühen ersten Ansatz: SMOB.

Und bis es soweit ist, würde ich vorschlagen, das ständige Geheule einzustellen. Danke. Und wer ohne Twitter keinen Sinn findet, kann hier nachschauen. ;)

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HowFlow - Nützliches austauschen und bewerten

Ein vielversprechendes neues netzsoziales Ding ist HowFlow. HowFlow (Zitat) »ist eine community-basierende Tipps-, Tricks- und HowTo-Bewertungsseite. Es kombiniert social bookmarking mit einer nicht-hierarchischen und demokratischen Bewertungsfunktion«. Man kann dort Links zu nützlichen Anleitungen und Hilfen ebenso einstellen wie eigene Tipps und Tricks und das Ganze dann mit Tags, Bewertungen und dem ganzen üblichen Zwonull-Kram be- und verwerten.
Der Schwerpunkt liegt klar auf »Geek-Themen« wie Rails oder Linux.

Mitmachen darf man derzeit nur auf Einladung, gegen eine solche hätte der Autor dieser Zeilen nichts einzuwenden. ;)

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Die Informationsernte XII - Twitter-Ausgabe

Wenn man sich nach ein paar Tagen des lebensbedingten Online-Kürzer-Tretens die eingefahrene Informationsernte in der Scheune betrachtet, so ist eines klar: Die (Web-)Welt ist besessen von Twitter.
Man fragt sich: »Can we use Twitter for business?« Zerbricht sich Twitters Kopf, was deren Einnahmen angeht. Überlegt sich, wie man Twitter für journalistische Aktivitäten nutzen kann. Und startet ein Themenblog: »140 Zeichen für ein Halleluja«.

Und an jeder Ecke tauchen mehr oder weniger sinnvolle »Mashups« auf: Twitt(url)y hält nach, welche URLs denn so getwittert werden. TweetLater ermöglicht das zeitversetzte Twittern – praktisch, wenn man mal ein Alibi braucht. secrettweet bietet »anonymes« Twittern an.

Sehr hübsch, aber weitestgehend sinnfrei ist TweetWheel, dass die Beziehungen der Kontakte eines Twitterers grafisch eindrucksvoll darstellt, was ab einer bestimmten »kritischen Masse« aber in einem hoffnungslosem Durcheinander endet:

Screenshot: TweetWheel

Das perfekte Tool für den kleinen Twitter-Stalker zur Visualisierung von Gewohnheiten ist xefer, der das Twitterverhalten eines Nutzers nach bestimmten Zeit-Kriterien addiert:

Screenshot: xefer

So schön diese lebendige Szene ist, eines fällt negativ auf: Weil Twitters API keine Authentifizierung für Automaten kennt, soll man einigen Diensten, deren Betreiber völlig unbekannt sind, seine Kombination von Benutzername und Passwort für den eigenen Twitter-Account übergeben. Eigentlich ist es aber »Gesetz«, niemals einem dritten Dienst solche Daten zu übermitteln. Es werden auf diese Art und Weise den Benutzern mühsam abgewöhnte inakzeptable Verhaltensweisen wieder »salonfähig« gemacht. Darum sollte man diese Art von Zusatzdiensten nicht nutzen.

Tags: web2.0 twitter


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