Die Informationsernte VII

Auf der re:publica 08 haben wir von einem weiteren Barcamp in Berlin erfahren: dem Socialcamp-Berlin. Geplant ist es für den 14.-15. Juni 2008. Es findet statt im ersten selfHUB in Deutschland, in Berlin-Kreuzberg. Das ist ein temporär mietbares Büro für Selbstständige, Freiberufler, Gründer und Gründerteams oder Projektgemeinschaften.

Ein Hörbuch über Web 2.0 und 3.0 gibt es vom FOCUS.

Techcrunch: »[..] a cross-border Web 2.0 culture is definitely gaining steam across Europe.« Ja?

Manchmal scheint es, die Welt dreht sich um 140 Zeichen: Twitter, Twitter, Twitter.

Und dann, tja, die Automatismen: »Sometimes Auto-Complete sucks…«

Tags: web2.0 twitter socialsoftware


Feeds finden mit Toluu

Toluu ist ein (Zitat) »a utility that makes it easy to discover the feeds your friends read and find your new favorite feed«. Und ist derzeit in geschlossener Beta. Was denn sonst? ;)

Das Mutige an Toluu: Es ist nicht einmal ein vernünftiger Online-RSS-Reader, sondern lediglich ein Feed-Vorschlag-Dienst auf der Basis von Datenvergleich. Nach Registrierung und Eintrag der Lieblingsblogs (letzteres kann auch mit dem Upload einer OPML-Datei erledigt werden) werden Benutzer gesucht, deren Feedliste zu n Prozent »matcht« und noch unbekannte Feeds aus deren Fundus vorgeschlagen. Aus dem FAQ:

»We like using our feed reader of choice and we bet you like your feed reader too. We see Toluu as a thin service that sits above your feed reader.«

Das Mutige daran ist die Vorstellung, dass sich tatsächlich eine »kritische Masse« die Mühe macht, seine Feedlisten an zwei Stellen zu pflegen. ReadWriteWeb bietet 10 Gründe an, warum man Toluu lieben wird. The Next Web hingegen ist skeptisch, ob nicht die sozialen Features des Google-Readers solche Dienste überflüssig machen. Das gute alte Bloglines hatte eine ähnliche Funktion übrigens schon vor Urzeiten.

Ist das interessant? Im Prinzip schon, zumal die vom magischen System vorgeschlagenene Blogs auf meinen Geschmack zutrafen.

Werde ich das auf Dauer nutzen, ist das nützlich für meinen Web-Alltag? Eher nicht. Dafür müsste es einen Automatismus bereit stellen, der meine Feed-Vorlieben aus meinem Desktop-Feedreader liest.

Tags: feeds weblogs socialsoftware


Adobe Photoshop Express - Killeranwendung mit Community-Faktor?

Während der Zweisprech-Osterpause hat Adobe bekanntlich seinen Online-Dienst Photoshop Express gestartet. Auch wenn Adobe als Unternehmen ziemlich gewöhnungsbedürftig ist (wer je in Lizenzdingen mit Adobe zu tun hatte weiß wovon ich rede), ist Photoshop natürlich nach wie vor der Maßstab schlechthin für Bildbearbeitung. Grund genug also, mal einen Blick drauf zu werfen. Ist das die leistungsfähige Online-Bildbearbeitung, die einen Software-Kauf sparen hilft, gar ein Google-Docs für Bilder?

Um die Antwort vorweg zu nehmen: Ist es nicht. Photoshop Express ist eigentlich keine richtige Online-Anwendung zur Bildbearbeitung, wie man aufgrund des Namens vielleicht vermuten könnte, sondern eine Art Online-Bilderdienst mit einigen grundlegenden Bildbearbeitungsoptionen.

Die Anwendung ist komplett in Flash gehalten und bietet damit alle Vor- und Nachteile, die einer solchen Lösung innewohnen. Schon das Login-Fenster ist in Flash gehalten, damit kann sich der Browser Benutzernamen und Passwort nicht merken. Nichts hat einen Permalink für die Favoriten- oder Lesezeichen-liste. Ist man eingeloggt und möchte in einem anderen Tab eine zweite Ansicht öffnen, merkt die Anwendung davon nichts und man muss sich erneut anmelden.

Nach Registrierung und Login kann man Bilder hochladen, sie bearbeiten und in Galerien und Alben organisieren. Der »Uploader« ermöglicht die Auswahl von mehreren Bildern in »einem Rutsch«, die dann nacheinander hochgeladen werden. Danach findet man seine Bilder in einem Album wieder, wo man sie anschauen und bearbeiten kann, über ein kleines Menü an jedem Bild.

Die Bearbeitungsfunktionen beschränken sich auf Basisfunktionen wie Rote-Augen-Entfernung, Sättigung, Zuschneidewerkzeug etc. und sechs Filter. Das funktioniert ausgesprochen gut, manchmal ist die Anwendung etwas schwerfällig und man fragt sich, ob die gewünschte Aktion wohl schon ausgeführt wird. Hübsch sind die kleinen Vorschaubilder, die in verschiedenen Graden eine Vorschau auf die Auswirkungen erlauben. Diese Bildbearbeitung ist das Prunkstück des Dienstes.

Heutzutage wird ja nichts »gelauncht« ohne einen Hauch von »Community, ey«. Man kann die Alben anderer Benutzer anschauen, zu seinen Favoriten hinzufügen und über einen Knopf am unteren Bildschirmrand einen Link zur Galerie in die Zwischenablage legen lassen, den man dann bookmarken kann. Das ist so umständlich, wie es sich liest. Tags und andere gewohnte Hilfsmittel zur systematischen Suche gibt es keine.

Fazit: Auch wenn andernorts schon vor dem entstehenden Adobe-Online-Imperium gewarnt wird – Photoshop Express ist für einen Online-Dienst vom Photoshop-Macher mit seinen gewaltigen $$$-Resourcen etwas enttäuschend. Nach den Maßstäben, die Flickr und Co. gesetzt haben, ist das, wie Thomas Doll sagen würde, »einfach zu wenig«. Die Bedienung als Flash-Anwendung ist mir zu umständlich. Die Bearbeitungsfunktionen bieten einfache Werkzeuge wie iPhoto auch, wenn auch nicht online. Selbst Apples .Mac-Fotogalerien bieten in Kombination mit iPhoto mehr und die pfiffigere Technologie. Und die »Community-Funktionen« wirken halbherzig der hervoragenden Bildbearbeitung angeflanscht.

Flickr und Co. müssen in absehbarer Zeit nicht angsterfüllt an den Nägeln kauen, da muss Adobe noch gewaltig nachlegen. Um aber mal eben ein Bild ein wenig zu bearbeiten, wenn gerade keine Bildbearbeitung zur Hand ist, ist es fast die richtige Online-Anwendung – aber eben nur fast, denn die umständliche Flash-Anwendung drumherum trübt den Spaß.

Tags: adobe photoshopexpress onlineapps


Die Informationsernte VI

Einige fragen sich ja noch: »Ja, sind wir denn in einer Blase?« Da sind andere schon weiter, sie sehen sie bereits platzen. Dazu passen die glorreichen Start-Up-Helden, die einmal satte 160 Millionen Dollar in den Sand gesetzt und andere, die nur 25 Millionen verbraten haben für – nichts. ;) Dafür hatten sie aber sicher eine gute Zeit, Pizza, Cola und Massage im Büro inbegriffen. Der Dot-Com-Tod schleift seine Sense…

Ein kühler Dienst ist MethodIzaz. Dort bestellt man sich online einen Fotografen, der einen dann »stalkt« und ungezwungene Fotos vom Verhalten im natürlichen Lebensraum macht, die dann, wie die Beispiele auf der Website zeigen, mal mehr und mal weniger gut gelungen sind (via Swissmiss).

Mal was Schönes: Art Bastard, eine »neue Platform für Urban Contemporary Art & Culture«.

Und dann war der noch der Adobe-CEO Shantanu Narayen, der sich in Sachen Flash und iPhone zu einem herrlichen Zitat hinreißen ließ (Hervorhebung von mir):

»Well, you really believe that Flash is synonymous with the Internet, and frankly, anybody who wants to browse the Web and experience the Web’s glory really needs Flash support.«

Tags: web2.0 startup adobe


Crowdsourcing im Großraumbüro

Die amerikanische Kaffeehauskette Starbucks ist trotz ihres industriellen Charakters und der nicht gerade preiswerten Getränke so etwas wie das Großraumbüro digitaler Nomaden auf der ganzen Welt. Da liegt es nahe, diese Kundschaft in einer Art Forum-Wiki-Blog ganz zwei-nullig als freiwillige Ideengeber zu gebrauchen (via hackr). Schlau, oder?

Related: Toni Mahoni – »Ketten«

Tags: crowdsourcing digitaleboheme


Die Informationsernte V

Über-Aggregatoren wie socialthing! sind nach der Ansicht eines Artikel in »Insight Buzz« ein erster Schritt, um die Mauern um die »Sozialen Netzwerke« einzureißen. Das glaube ich nicht, der »umzäunte Garten« mit seinen (Deinen!) Benutzerdaten ist das einzige, was das SN an digitalen Gütern hat. Darum werden sie weiter mit Hingabe an ihren Zäunen arbeiten.

Chefproblematisierer Scobleizer hat einen Fall von Facebook-Rauswurf, der wunderschön demonstriert, auf welches dünne Eis man sich begibt, wenn man Geld von anderer Leute Benutzer abgreifen möchte (aka »die Plattform nutzen«) und sich dazu in jenen »umzäunten Garten« begeben muss.

»Lovd By Less« ist ein Social-Network-Modul in Ruby On Rails, frei unter der GPL. Damit kann man flugs sein eigenes SN aufmachen, z.B. eines an sein Kaninchen-Blog antackern.

Das Milchmädchen stand Pate bei einer neuen Apple-Switcher-Story. Der Held der Geschichte hat 70.000 $$$ gespart, weil er auf den Mac und Basecamp umgestiegen ist und auf die ganze überkommenene typische M$-Office-Infrastruktur verzichtet hat. Nehmt Euch ein Beispiel!

Auch das noch: Adobe möchte uns mit dem nächsten Flash-Update heimlich seinen eigenen Media-Player unterjubeln, sagt NewTeeVee.

Tags: socialnetworks web2.0 facebook


Nur für den Fall...

»Manchmal sieht der Mensch schon vor dem Tod seinen Geist«, schrieb der weise Bukowski. Auch so manchem im Netz aktiven Zeitgenossen dämmert es in einer düsteren Minute, dass die eigene Existenz im Netz auf fatale Weise von der Biologie abhängig ist. Dachte sich wohl auch der Entwickler jener putzigen Site:

Bei justincaseidie.com kann man eine Nachricht hinterlegen, die regelmäßig deaktiviert werden muss, also nach dem Prinzip der »Tote-Mann-Taste« bei Lokführern. Wenn man nicht deaktiviert, wird die hinterlegte Mail bezüglich des eigenen Ablebens an die definierten Empfänger gesendet. Damit diese wissen, dass mit weiterem Content nun nicht mehr zu rechnen ist. Praktisch.

Und alleine für die putzige Illustration hat die Site schon einen Artikel verdient.

Tags: seltsames web2.0


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