Die Informationsernte IX

Für den kleinen potenziellen Pro-Blogger in uns: »25 Blogs und Ihre Einnahmen im März«.

37 Signals positionieren sich ein weiteres Mal gegen den Branchen-Mainstream: »Urgency is poisonous«. Und liegen ein weiteres Mal richtig.

Das mobile Web ist tot, bevor es überhaupt richtig gelebt hat! Sagt Russell Beattie (via ReadWriteWeb).

Infohäppchen: 2 Minuten Videoimpressionen von »The Next Web«, die zeitgleich zur re:publica in Amsterdam statt fand und darum in Deutschland deutlich im Schatten selbiger stand.

Und natürlich wieder Twitter, Twitter, Twitter, halbgare Twitter-Gerüchte in Sachen Werbung und eine Ode an Twitter mit einer Prognose der Marke »Man weiß es halt nicht«.

Und wem das nicht reicht: Ein Problematisier-Video über Twitter von Chris Pirillo.

Tags: web2.0 weblogs twitter


Shyftr = Content-»Thievr«?

Shyftr ist ein online RSS-Feedreader mit »sozialer Komponente«. Und genau das ist das Problem, denn die soziale Komponente ist nichts anderes als eine öffentliche Reproduktion der Inhalte anderer Leute, die das dann kommentieren können. Shyftr veröffentlicht anderer Leute Inhalte und zieht auch noch die potenziellen Diskussionen (»Weblogs are conversations«, sagen die Weblog-Weisen seit Äonen) von der Original-Site ab, in ihr obskures RSS-Reader-Social-Network-Whatever.

Nicht erstaunlich, dass solcherart Dreistigkeit gleich Widerspruch erregt, z.B. bei Eric Berlin – »An argument against Shyftr and communities built around full-text RSS feeds«, der Mathew Ingram zitiert:

»I think RSS gives people the right to read your content — but not to build a business around it.«

Genau so ist es. Mein Hauptblog z.B. steht unter der »CC-Non Commercial«-Lizenz, da wäre eine Reproduktion in den kommerziellen Rahmen von Shyftr schlicht und ergreifend ein Lizenz-Verstoß, ganz zu schweigen von Blogs unter »Alte-Schule-Alle-Rechte-Vorbehalten-Lizenz«.

Loius Gray und Eric Scoble sehen das anders (Zitat Scoble):

»The era when bloggers could control where the discussion of their stuff took place is totally over.«

Das sehe ich anders, ein RSS-Feed ist kein Freibrief für Geschäftsmodelle mit anderer Leute Inhalte, und der Abzug der Diskussionen damit in das eigene kommerzielle System ist mehr als unfair.

Im Shyftr-Blog hat man dazu Stellung bezogen, in meinen Augen wenig überzeugend und mit viel zu viel »Our users«-Wischiwaschi als Rechtfertigung. Und das Shyftr-Blog hat natürlich keine Kommentare. Weblogs are conversations. But not outside Shyftr for Shyftr.

[Update] Hier steht, wie man den Shyftr-Roboter ausbremst. Robots.txt wird gar nicht gelesen und als User-Agent die verwendete Magpie-Bibliothek angegeben – schlechter Stil wie der Rest dieses Projekts…

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Wochenendkino: flickr und die Anti-Video-Front

Die Benutzer von flickr sind ein problematischer Haufen. Nach jeder Änderung von Was-auch-immer bricht (oft genug auch zu Recht, keine Frage) ein Sturm der Entrüstung los, der sich in der Regel in einer immens populären flickr-Gruppe manifestiert. So auch dieses Mal, kurz nach der Einführung des Video-Uploads in flickr brach der zu erwartende Unmut los und ergoss sich in die obligatorische Protestgruppe mit dem passenden Namen »We Say NO to Videos on Flickr«.

Dieses Mal schießen die Empörten aber etwas das Ziel hinaus. Mancher Betrachter fragt sich, warum die Benutzer, die keine Videos wollen, sich nicht einfach darauf beschränken, einfach keine Videos hoch zu laden. Zumal flickrs Beschränkung auf »long photos« von 90 Sekunden meine anfänglichen Bedenken, flickr könne ein zweites Youtube werden, zerstreute.

Darob Unmut verspürt auch Benutzerin »iJustine«, die eben jenen Unmut über den Unmut in ein hübsches kleines Video gepackt hat. Viel Spaß. ;)

"iJustine@flickr: »Flickr Video : Quit being a btchr«

Tags: video flickr socialsoftware


Soziale Lesezeichen - Delicious in der Krise?

Die soziale Lesezeichenseite del.icio.us gehörte, damals, Anfang 2005, zu den ersten so genannten »Web-2.0-Diensten«, die ich genutzt habe und denen ich bis heute treu geblieben bin. Delicious’ trockene und funktionale Oberfläche sowie die Zuverlässigkeit des Dienstes liessen sämtliche Verlockungen von Konkurrenten wie ma.gnolia oder gar Mr. Wong, die durch nervige »kindgerechte Ansprache« gegenüber Delicious punkten wollen, ins Leere laufen.

Nun zitiert TechCrunch den VC-Menschen Fred Wilson, der sich über die Ignoranz gegenüber den Webdiensten beim Aktienschacher à la Yahoo-Microsoft beklagt und am Beispiel von Delicious die These aufstellt, dass Webdienste Benutzer verlieren, wenn sie erst einmal von den »Großen« aufgekauft wurden (Zitat):

»But if you look deeper, I wonder. Delicious grew nicely for a while under Yahoo!’s ownership but recently the user base has fallen off pretty dramatically.«

Techcrunch fragte den Delicious-Entwickler Joshua Schachter, der sagte:

»We continue to grow normally. Unique users is not a good measure of our growth, though. […] Additionally, we cut off search indexing several months ago, which also hurts the UU [unique user] numbers. Since our goal here is not to grow traffic but instead provide a way for people to save things, it’s not something I am really worried about.«

Das Delicious Traffic Traffic sein lässt, statt à la Mr.Wong mit seinen berüchtigten (wer hat drüber nicht schon geflucht bei der Google-Recherche) »Sie interessieren sich für…«-Seiten Google zu füllen, finde ich ebenso interessant wie löblich.

Und die Moral von dieser Geschichte? Man sollte sich in der Beurteilung von Erfolg oder Misserfolg nicht von halbgaren Messungen (Alexa-Traffic!) nach halbgaren Kriterien verleiten lassen.

del.icio.us bleibt auch nach über drei Jahren meine Empfehlung für einen Online-Sozialgedöns-Lesezeichendienst. Lieber das Original nehmen. Und hoffen, dass der Kelch der Microsoft-Akquisition an uns Delicious-Benutzern vorbei geht…

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Die Informationsernte VIII

Alle wollen Geld. Dein Geld. Aber Du willst es einfach nicht rausrücken, darum stimmt »zweinull.cc« ein garstiges Klagelied an. Der live.hackr relativiert es.

Jesse Patel von der »Participatory Culture Foundation« (die hinter dem großartigen Miro steht) im Interview bei Golem, Zitat:

»Wir wollen ein System, über das jeder seine Videos verbreiten kann, ein System, das so einfach ist wie YouTube, aber bei dem man seine Inhalte nicht an ein Angebot wie YouTube zu dessen Bedingungen abgibt.«

Und natürlich wieder Twitter, Twitter und Twitter.

Noch einmal Twitter: »foodfeed« aggregiert die Nahrungsgewohnheiten der Twitterer. Ebenso sinnlos wie technisch und ästhetisch perfekt!

Unterhaltung (Horrorfilm oder Tragödie): »Web 2.0 – Der Film« ist da.

Tags: twitter web2.0 video


Dem Hype hinterher jagen: Der »Web 2.0 Kongress«

Wenn dieses kleine Blog jemals einen »Worst 2.0«-Award vergeben wird, dann ist der so genannte »Web 2.0 Kongress« (sic!) ein ganz heißer Kandidat dafür. Mit einer für professionelle Ansprüche geradezu unfassbar schlampigen Website – man schaue sich nur einmal die »runden Ecken« an, die aussehen, als hätte eine Horde von Nagetieren an den Ecken ihr gieriges Werk verrichtet – möchte man Interessenten gewinnen, die für EUR 1.895 Referenten zuhören dürfen, von denen in den allermeisten Fällen in der Web-2.0-Szene noch nie jemand etwas gehört hat. Aufregende Themen wie »Vorgehensweise bei der Einführung eines Wikis« sollen zahlwillige Interessenten anlocken. Die meisten Themen wären für einen Barcamp-Vortrag sicher interessant, als Programm einer 1.895-EUR-Konferenz sind sie aber ein schlechter Scherz. Aber die »Krawattenszene« bleibt halt lieber unter sich und steuert das über den Preis. Da konferieren sie dann ohne diese komischen Web-2.0-Typen und Blogger, die sich auf freien (Un-)Konferenzen herumtreiben…

Gratis-Tipps für das nächste Jahr, verehrte IIR-Deutschland:

  • Website von jemandem gestalten und bauen lassen, der davon etwas versteht.
  • Einen Duden konsultieren zum Thema »zusammengesetzte Substantive im Deutschen«.
  • Ein Programm anbieten, dass den Preis wenigstens ansatzweise rechtfertigt.

Erstaunlich finde ich, dass namhafte Unternehmen in ein solch unprofessionelles Umfeld ihr Logo draufpappen…

Tags: worst web2.0


flickr nun mit 90 Sekunden Video

Hier wurde noch geunkt, nun ist es soweit: flickr verarbeitet nun auch Videos. Einfach beim Hochladen (als Besitzer eines Pro-Accounts) eine bis zu 90 Sekunden großes Videodatei angeben und schon ist es »drin«:

Der erste Versuch hat natürlich prompt nicht funktioniert, aber das wollen wir ihnen nachsehen, schließlich gibt es die Funktion erst einige Stunden.

Die Beschränkung ist sinnvoll, so vermeidet man, dass flickr ein zweites Youtube wird. Außerdem sind Videos für flickr keine Videos, sondern »long photos«. Und ein langes Foto ist doch nicht länger als 90 Sekunden, oder?

Und die ersten »Pools« mit langen Fotos gibt es auch schon (via).

Tags: flickr video


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